Über das Leben mit einer Medizinstudentin als Mitbewohnerin

Über Mitbewohner gibt es ja allerlei Geschichten. Manche können supergut kochen, halten sich immer an den Putzplan, wissen was Zimmerlautstärke bedeutet, klauben ihre Haare aus der Dusche. Von anderen wurde schon berichtet, dass sie manchmal nackt durch die Wohnung laufen, die Küche in atombombenartigem Zustand hinterlassen, einem das Nutella aus dem Glas klauen (oder schlimmer: die goldene Folie anstechen!!) und mal eben die gesamte Wohnung von allen Möbeln befreien, um Party zu machen. Ich persönlich hab Gott sei Dank wahnsinnig viel Glück mit meiner Mitbewohnerin gehabt, wobei ich sagen muss, dass ich mich an das Leben mit einer Medizinstudentin schon ein wenig gewöhnen musste. Warum? Darum!

1. Weiß

Die Wände sind weiß, alle Möbel sind weiß, der Küchentisch ist natürlich weiß, Teller weiß, Schüsseln weiß, Auflaufform weiß, Lampen auch weiß, alles weiß. Warum? “Das sieht so steril aus!” Immerhin macht es Sinn, dass jemand, der künftig die meiste Zeit seines Lebens in steriler Krankenhaus- oder Labor- oder Arztpraxisumgebung verbringen wird, auch zuhause das Gefühl von Reinheit und Sauberkeit beibehalten möchte. Oder? Eigentlich macht es überhaupt keinen Sinn, weil man auf Weiß jedes Staubkörnchen sieht! Ich komme aus einem Haus mit ausschließlich Holzmöbeln und da nun mein Zimmer in der WG auch mit weißen Ikea-Möbeln ausgestattet ist, sehe ich mehr Dreck überall als jemals in meinem Leben zuvor. Und plötzlich muss ich auch Staub wischen. Was ist das denn?!

2. Kacke

Kacke ist für einen Mediziner eines der interessantesten Themen überhaupt. Das kann sich in Beschreibungen der Konsistenz der Stuhlgänge, die man beim Krankenpflegepraktikum erlebt hat, äußern, aber auch in Fragen wie “Und? Wie sieht deine Kacke zur Zeit so aus? Wirken die Eisentabletten?”. Bevorzugt wird man mit solchen Aussagen beim Einnehmen einer Mahlzeit konfrontiert und wenn ihr wie ich mit einer sehr lebhaften Phantasie gesegnet (oder verflucht) seid: Viel Glück. Ach ja, dasselbe gilt übrigens auch für Urin. Wusstet ihr, dass Pipi schaumig sein kann?!

3. Kittel

Der weiße Kittel ist das A und O. Bestimmt musstet ihr schon öfter bei Geschwistern, Freunden oder eben Mitbewohnern Style-Berater machen, oder? Statt der üblichen “Seh ich darin fett aus?”-Frage haben Medizinstudenten jedoch ganz andere Sorgen. “Soll ich den Kittel nicht doch nochmal bügeln??” “OOOOH mein Gott, da ist ein FLECK!” “Sieht der andere Kittel nicht doch besser aus?” Hier ist ganz viel Verständnis angesagt, denn der Kittel ist schließlich heilig, er verleiht Autorität und Sachkenntnis und ist überhaupt total wichtig, egal ob man Bakterienkulturen im Labor untersucht oder alte, zerfleischte Leichen ausnimmt und wieder zusammenpuzzlet.

4. Hypochondrie

Der Fluch mancher Medizinstudenten ist, dass sie über zu viele Krankheiten zu viele Details wissen. Ich schiebe Kopfweh auf das Wetter oder den Inhalt meiner Vorlesungen und warte einfach, bis es weg ist. Meine Mitbewohnerin schmeißt bei Kopfweh erstmal hundert Tabletten ein und wenn die nicht wirken, dann ist das GARANTIERT ein Tumor!! Die Symptome stimmen überein und oh Gott, das hatten wir doch erst neulich im Seminar! Manchmal ist es einfach besser nicht zu wissen, was man alles haben könnte.

5. Chemie 

Wie viele chemische Strukturformeln könnt ihr so auswendig aufzeichnen? Ich kann ziemlich viele. Zumindest sollte ich viele können, da meine Mitbewohnerin mir die kompliziertesten Sachen hundertmal erklärt hat, hauptsächlich um zu sehen ob sie es selbst verstanden hat. Ich bleibe bei der These, dass bei Geisteswissenschaftlern der dazu benötigte Teil des Gehirns im Laufe der Evolution irgendwie abhanden gekommen ist. Die verschiedenen Bestandteile einer mittelalterlichen Urkunde aus der päpstlichen Kanzlei runterbeten? Kein Problem. Die Strukturformel von … Hydrogencarbonat (gibt’s das??!) aufmalen? Vergiss es.

Disclaimer: Diese Ansichten repräsentieren nur die Ansichten der Autorin und sind vermutlich nicht auf alle Medizinstudenten dieser Welt anwendbar. Ferner sind die Aufzeichnungen absolut nicht böse gemeint und sollen nicht als Angriffe oder Beleidigungen gewertet werden. Die Autorin versichert außerdem, sich durchaus der Vorteile von Medizinstudenten als Mitbewohner bewusst zu sein und gibt zu, dass eigentlich alle oben angeführten Punkte oft zu Amüsanz geführt haben.

Und an meine Mitbewohnerin, falls du das liest: Ich könnte mir niemand Besseren vorstellen, mit dem ich das Dach über dem Kopf und den Kühlschrank teilen wollen würde, als dich! Bleib bloß so genial und witzig und originell, wie du bist!!

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