Über Schmerzen und Frauen und Burger King

Da ich schon wieder viel zu schnell an den paar Tagen im Monat angelangt bin, an denen ich Schmerzmittel pumpen muss, um vor die Haustür treten zu können, den Tag zusammengerollt und verkrampft auf der Couch verbringe und gekrümmt und stöhn-schnaufend wie eine 100-jährige durch die Gegend schleiche (eigentlich ist das waaay TMI, aber ich brauch irgendeine Einleitung), dachte ich, ich könnte mich ja mal öffentlich darüber beschweren. Über Menstruation und Frauen und Gesellschaft. Männer: You may exit now. Wobei, bleibt mal da, ist gar nicht so schlecht, wenn ihr euch das auch mal anhört.

1. Warum

Warum zum Teufel müssen wir Frauen eigentlich die ganze Schwerstarbeit machen? Nicht nur sind wir dazu verdammt jeden Monat endlose und richtig scheiß schmerzhafte Bauchkrämpfe über uns ergehen zu lassen, Geburten sollen wir auch noch übernehmen. Weil es ja noch nicht genug Menschen auf diesem Planeten gibt. Die Antwort ist eigentlich ziemlich simpel: Männer würden derartige Schmerzen niemals aushalten. Sie würden elendig krepieren. Verrecken. Schon am ersten Tag. Insofern sollten wir eigentlich stolz drauf sein, dass wir tough genug sind um Schmerzen zu überleben, die sich “das starke Geschlecht” gar nicht vorstellen kann. ABER: Warum muss ich das alles machen, wenn ich gar keine Kinder haben will??

2. Oh mein Gott, du willst keine Kinder?!

Nein. Ich hab keine Lust darauf, irgendwelche Spermien in meinem Inneren herumschwimmen zu lassen, bis sie sich mit einer Eizelle verbinden und mich neun Monate lang in den Zustand eines sauregurkenessenden, kotzenden Elefanten versetzen. Ich brauch auch keine Ärzte (auf die bin ich eh schlecht zu sprechen), die ständig zwischen meinen Beinen herumwühlen, und auch keine Wehen, die nach Stunden voller Schmerzen eine schleimige, schreiende Eidechse aus mir herauskriechen lassen. Und dann fängt der Spaß ja erst an. Tut mir Leid (nee, eigentlich nicht), aber die sowieso schon ungesunden Zahlen der Weltbevölkerung werden ohne mich aufrecht erhalten werden müssen. Ich mag einfach keine Kinder. Und sie mögen mich auch nicht besonders, also eigentlich ja eine Win/Win-Situation. “Ach, du bist noch so jung, wenn dir erstmal der richtige Mann über den Weg läuft…” Ich lach mich tot. Gleich aus mehreren Gründen.

3. Frauen und Kinder und Karriere

Jetzt haben wir es also endlich nach ein paar tausend Jahren menschlicher Existenz geschafft, dass wir ohne die Erlaubnis von irgendwelchen Männern arbeiten und sogar wählen dürfen. Haben wir jetzt ein paradiesisches Leben? Weit gefehlt. Egal was wir mit unserem Leben anstellen, die Gesellschaft findet es doof. Verheiratete Mutter und Hausfrau? Oh mein Gott, wo warst du während der Emanzipation?! Mutter mit Karriere? Oh mein Gott, die armen Kinder! Verheiratet, keine Kinder? Oh mein Gott, wusste sie vor der Hochzeit schon, dass der Mann impotent ist? Lesbisch? Oh mein Gott, warum tust du das, du bist doch so hübsch! Das hat bestimmt was mit der Beziehung zu deiner Mutter zu tun!! Unverheiratet mit Karriere? Alleinerziehend? Lesbisch und verheiratet (in Deutschland sowieso nicht)? Lesbisch mit Kindern? Scheißegal, irgendeinen wird es immer geben, dem es nicht passt. Warum ist das bei Männern nicht so? Ein Papa, der zuhause bei seinen Kindern bleibt, ist ziemlich cool, Papa mit Karriere kein Problem (weil die Frau ja zuhause ist), unverheiratet, tja, er will halt seine Freiheit. Warum zum Teufel ist das im verdammten 21. Jahrhundert immer noch so unausgeglichen? Von Gehaltsunterschieden fang ich jetzt gar nicht erst an.

4. Frauen und Kleidung

Das selbe gilt übrigens auch für Kleidung. Egal was wir anziehen, wir sind entweder Schlampen oder unterdrückte Nonnen. Bluse bis oben zugeknöpft? Mensch, Mädchen, zeig doch ein bisschen mehr Haut! Wo bleibt deine Weiblichkeit? Mit Hotpants und Bikini-Oberteil in der Öffentlichkeit? Zieh dir endlich was an, du lädst die Männer ja geradezu ein, dich zu vergewaltigen! (Wo wir gerade dabei sind: F*** Rape Culture! Ich zensiere das nur wegen dem Seelenheil meiner Eltern und wegen Minderjährigen, die das hier lesen. Obwohl die das F-Wort sowieso ständig um sich schmeißen.) Mal abgesehen davon, dass man uns vorschreiben will, was wir anzuziehen haben, werden wir auch noch auf unser äußerliches Auftreten reduziert. Aktuelles Beispiel: Oscars. “Und, wen trägst du heute?”

5. Burger King

Trotz aller Kampagnen und Aufrufe und öffentlicher Stellungnahmen etc. etc. werden wir Frauen in der Öffentlichkeit immer noch viel zu häufig sexualisiert. Bestes Beispiel diese Burger King Werbung:

220819-0-20110331222013(Quelle)

Die Frau sieht aus wie ein Fisch und was mit “Seven Incher” und “blow your mind” gemeint ist, wissen wir auch alle. Muss das sein? Ist klar, dass die männliche, fleischfressende Bevölkerung das ziemlich lustig findet und anscheinend ist BK auch so reich, dass sie es sich leisten können, nur hirnlose Patriarchen mit ihrer Werbung anzusprechen. Ehrlich, wenn man in der westlichen Welt kein weißer, heterosexueller Mann ist, hat man’s verdammt schwer. Warum eigentlich? Sind die nicht in der Minderheit?

Jetzt hab ich bei Regelschmerzen angefangen und bin bei Burger King rausgekommen. Ja, dieser Beitrag ist nicht besonders wissenschaftlich (den Anspruch hatte ich aber auch eigentlich gar nicht), bisschen durcheinander gewürfelt und ich weiß nicht, worauf ich genau hinauswollte, ABER ich weiß, dass mich alles oben genannte offensichtlich ziemlich aufregt und dem wollte ich mal Luft machen. Mir fällt leider auch keine Patentlösung für die Probleme unserer verkorksten Gesellschaft ein, aber wenn sich noch ein paar mehr Leute aufregen, dann ändert sich ja vielleicht doch irgendwann was. In diesem Sinne geh ich jetzt nochmal ein paar Schmerztabletten einwerfen.

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